Die Schreinerei PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefan Gurtner   

Geschrieben von: Stefan Gurtner

1. Vorgeschichte

In den Jahren 1997 und 1998 existierte innerhalb von Tres Soles bereits eine kleine Schreinerwerkstatt mit einem Lehrer. Alle Arbeiten wurden von Hand gemacht, völlig ohne Maschinen. Die Hauptaufgabe bestand in der Reparatur der bestehenden Möbel, aber schon damals durften die Mitglieder der Wohngemeinschaft ihre eigenen Möbel herstellen. Leider musste das Experiment wegen mangelnder Finanzierung abgebrochen werden.

2. Beschreibung

Heute existiert wieder eine Schreinereiwerkstatt. Auch wenn weiterhin bestehende Möbel repariert werden sollen, wird die Hauptarbeit in der Herstellung von Bettgestellen, Nachttischen, Tischen und Stühlen bestehen. Jedes Kind und jeder Jugendliche der Wohngemeinschaft wird unter Aufsicht und Mithilfe eines ausgebildeten Schreiners seine eigenen Möbel herstellen, besonders während der Wochenenden und Ferien, wenn sie keine Schule haben. Es wird möglichst von Hand gearbeitet und es sollen nur umweltverträgliche Verarbeitungsmittel wie Bienenwachs und Leinsamenöl verwendet werden.

3. Umfeld

Die Schreinerwerkstatt wird in eine Reihe von bereits bestehenden Werkstätten eingegliedert: Gemüsegarten, Reparaturarbeiten, Karten- und Nähwerkstatt. Die beiden ersten sind gemeinschaftliche Arbeiten, die vor allem an Wochenenden und in den Ferien ausgeführt werden, die handwerklichen Werkstätten an den Wochentagen mit dem Zweck, den Jugendlichen einige Fachkenntnisse zu vermitteln.

4. Rechtfertigung

Die Kinder und Jugendlichen von Tres Soles kommen in ihrer Mehrheit aus sehr armen Verhältnissen, wo Möbel fast ein Luxus sind. Tres Soles hat bisher die Möbel für die Ausstattung der Zimmer gekauft, musste sich aber aus finanziellen Gründen immer auf die nötigsten und billigsten beschränken, was zur Folge hatte, dass diese schnell zerbrachen, aus dem Leim gingen oder von Holzwürmern befallen wurden. Die Qualität der Möbel in Deutschland, selbst wenn sie sehr preiswert sind, ist nicht mit der in Bolivien zu vergleichen. Die Jugendlichen, die in gemieteten Zimmern außerhalb der Wohngemeinschaft wohnten, bekamen bisher ein kleines Darlehen, das für den Kauf von haltbareren Möbeln jedoch auch nicht ausreicht.

5. Zielsetzungen

5.1 Hauptzielsetzung

Die Hauptzielsetzung ist dieselbe wie die der anderen Werkstätten: Die Förderung von Arbeitsgewohnheiten (Pünktlichkeit, Sauberkeit und Umgang mit Werkzeugen) und das Entdecken von Talenten und Begabungen.


5.2 Andere Zielsetzungen

- Die Förderung einer sinnvollen Aktivität, da die handwerkliche Arbeit mit Holz beruhigend und therapeutisch wirkt.

- Das Herstellen von eigenen Möbeln für die 30 Mitglieder der Wohngemeinschaft, die sie dann auch mitnehmen können, wenn sie eines Tages ausziehen.

- Die Qualitätsverbesserung der Möbel für jedes Mitglied der Wohngemeinschaft.

- Die Verwendung von umweltverträglichen Verarbeitungsmitteln wie Bienenwachs und Leinsamenöl.

- Eine rücksichtsvollere Nutzung der Möbel, da man für diese, wenn man sie selber hergestellt hat, mehr Sorge trägt.

- Auf mittlere und längere Frist die Schaffung von einigen hier so nötigen Arbeitsplätzen, die mit der Holzverarbeitung in Zusammenhang stehen.