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Geschrieben von: Stefan Gurtner   

Das Projekt „Tres Soles" wurde von Stefan Gurtner 1989 in El Alto, Bolivien gegründet, um sozial benachteiligten Jungen und Mädchen eine würdige Zukunft zu ermöglichen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es in drei Stufen gegliedert:

Die beiden ersten befinden sich in der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft „Tres Soles", wo die Aufnahme und die Schuleingliederung stattfindet und wo Kinder und Jugendliche im Alter zwischen ungefähr 8 und 18 Jahren leben; die dritte befindet sich im Lehrlings- und Studentenheim „Luis Espinal", das wir seit kurzem verwalten und wo 25 junge Erwachsene durch ein Stipendiensystem die Möglichkeit haben, einen handwerklichen oder akademischen Beruf zu erlernen.

Das Grundprinzip unserer Arbeit, neben Erziehung durch Kunst und Spiel, ist die Selbstverwaltung, das heißt, dass die Jugendlichen die meisten Aktivitäten selbst organisieren. Eines der Mittel, um das nötige Bewusstsein dazu zu erreichen, besteht im „Begleitungsprinzip", das heißt, die Betreuer, die eigentlich „Begleiter" genannt werden müssten, wirken auf die Kinder und Jugendlichen während der gemeinsamen Gruppenarbeiten wie Theater, Musik, Sport, Werkstätten, Kochen, Brotbacken, Garten, Aufgabenhilfe und Reinigungsarbeiten ein.

Es ist sehr wichtig, dass die Beziehung zwischen Begleitern und Kindern dabei so weit wie möglich auf gleicher Ebene gestaltet wird. Obwohl viele Erzieher erneut verstärkt auf einer Distanz zwischen „Lehrern" und „Schülern" bestehen, glauben wir, wie der brasilianische Volkserzieher Paulo Freire, dass der Lehrer nicht den Schüler „lehren", sondern dass alle gemeinsam lernen sollten. So werden Verhaltensveränderungen nicht durch traumatisierende „Therapien" und mit autoritären Mitteln durchgesetzt, sondern auf Grund einer „Bewusstseinsbildung" und im Rahmen einer Wohngemeinschaft, in der alle die Möglichkeit haben, ein Lebensprojekt aufzubauen.

Verhaltensweisen durch „Bewusstseinsbildung" zu verändern und nicht ausschließlich durch das traditionelle System von Zuckerbrot und Peitsche, ist viel anspruchsvoller, aber die Resultate, die langfristig dabei erzielt werden, sind dauerhafter und zerplatzen nicht wie Seifenblasen, wenn die Jugendlichen dann außerhalb von Tres Soles ihr eigenes Leben aufbauen.

Die erzieherische Begleitung ist natürlich bei den Kleinsten am Stärksten und nimmt mit zunehmendem Alter schrittweise ab, damit sie immer mehr Aufgaben und immer mehr Verantwortung allein übernehmen können - das Lehrlings- und Studentenheim „Luis Espinal" wird völlig selbstverwaltet, das heißt, dass außer einem Koordinator keine Betreuer dort arbeiten und auch das Geld selbst verwaltet wird. In der Wohngemeinschaft „Tres Soles", wo sich, wie gesagt die ersten beiden Stufen befinden, ist für jede Aktivität eine Kommission von zwei Jugendlichen oder älteren Kindern verantwortlich, die auch das dafür verfügbare Geld verwaltet. Die Kleinsten werden noch immer voll betreut, da sie logischerweise keine Eigenverantwortung übernehmen und auch nicht für die Fehler ihrer älteren Kameraden verantwortlich gemacht werden können.

Diese Form von Arbeit in kleinen Gruppen ist natürlich sehr personalintensiv, aber durch die persönliche Betreuung und die Vielfalt von Aktivitäten versuchen wir den Kindern und Jugendlichen zum Aufbau eines Lebensprojekts zu verhelfen.

Der Aufbau eines Lebensprojekts ist entscheidend, damit sie die schädlichen Verhaltensweisen, die sie sich vielfach auf der Straße angeeignet haben, überwinden können. Wer ein Lebensprojekt besitzt und gezielt darauf hinarbeitet, wird sich keinen Schaden durch Alkohol- oder Drogenkonsum zufügen, um nur ein Beispiel zu nennen.