Das Theater "Ojo Morado" PDF Drucken E-Mail
Interview mit Stefan Gurtner, dem Vertreter des Schweizer Trägervereins und Betreuer der Theatergruppe "Ojo Morado" (Blaues Auge) und des Selbstverwaltungsprogramms:
Warum hast du die Wohngemeinschaft mit Theater gekoppelt?

Das hat zwei Gründe. Erstens ist das Theater sehr reich an erzieherischen Inhalten. Wenn man genau hinschaut, hat das Theater - wenn man alle seine Bestandteile, von der Lektüre und Schaffung von Texten bis zu den Debatten nach den Aufführungen, in Betracht zieht - fast alle erzieherischen und sozialen Inhalte einer Grundschule. Ebenso fördert das Theater das Selbstvertrauen, das gerade im Fall von diesen Kindern und Jugendlichen von äußerster Wichtigkeit ist. Zweitens sah ich die Möglichkeit, meine literarischen Neigungen mit der erzieherischen Arbeit im Projekt zu kombinieren (man hat ja auch seine persönlichen Bedürfnisse!).

Du hast 1999 und 2001 jeweils Tourneen mit der Theatergruppe von Tres Soles durch Deutschland und die Schweiz gemacht. Ist für dich damit ein Traum in Erfüllung gegangen?

Viele Leute haben ja davon vielleicht eine etwas romantische Vorstellung. Eine solche Tournee zu organisieren und durchzuführen, bedeutet eine monatelange, knallharte Arbeit. Es war natürlich schon sehr wichtig, dass die Leute unsere Arbeit sahen und uns kennenlernten, auch für mich persönlich war das wichtig, denn viele Leute konnten sich nicht recht vorstellen, was und mit wem ich arbeite. Für mich war es auch eine Möglichkeit, mich nach vielen Jahren wieder mehrere Monate in Europa aufzuhalten und meine Heimat so praktisch "wieder neu zu entdecken". Eher als von einem Traum würde ich von einer wichtigen Erfahrung sprechen.