Theaterprojekt "Mein kleiner Orangenbaum" PDF Drucken E-Mail


Mit drei Aufführungen  am 13., 14. und 15. Oktober auf dem Sportplatz in Tres Soles ist unser zweijähriges, erzieherisches Theaterprojekt „Mein Orangenbaum“ abgeschlossen worden. Das Drehbuch, die Kulissen und alles verwendete Material wurde wie immer von den Kindern und Jugendlichen der Theatergruppe „Ojo Morado“ selbst hergestellt. Das Stück wurde frei nach dem Jugendroman des brasilianischen Autors José Mauro de Vasconcelos inszeniert. Dieser Roman ist für mich persönlich eines der berührendsten und gleichzeitig härtesten Bücher der südamerikanischen Jugendliteratur. Es geht um José, einen frühreifen und altklugen Jungen, den niemand in seiner Familie versteht. Er findet Zuflucht bei einem sprechenden Orangenbaum und in der Freundschaft mit einem älteren Mann (Manuel). Die Kinder und Jugendlichen von Tres Soles konnten sich mit dieser Geschichte identifizieren, da sie viele Situationen aus ihrem eigenen Leben beinhaltet. Sie endet tragisch, als fast gleichzeitig Manuel in seinem Wagen von einem Zug überrollt und der Orangenbaum wegen einer Strassenverbreiterung abgeholzt wird.
Die Form der Inszenierung basiert auf der Kunstform Performance Art, es kommen selbst gedrehte Videos, Schauspiel, Lieder, ein drehbares Holzhaus und ein echtes Auto zum Einsatz.  Um das Publikum herum, das in der Mitte des Sportplatzes auf dem Boden sitzt, befinden sich die ‚Strasse‘, das Haus, der Obstgarten, ein Kiosk, an dem Manuel täglich seinen Kaffee trinkt, und die Leinwand, auf die die Videos projektziert werden.
Die Rollen Josés und seines jüngeren Brüderchens stellten uns vor einige Herausforderungen, da sie mit den jüngsten Mitgliedern der Theatergruppe besetzt werden mussten. Wir waren uns nicht sicher, ob der achtjährige Juvenal und der vierjährige Fabricio in der Lage sein würden, die Rollen zu spielen,  aber sie bestanden diese Herausforderung meisterlich, man kann es nicht anders ausdrücken. Am besten gefielen sie mir, wenn sie buchstäblich „spielten“. Fabricio ist der Sohn unserer Mitarbeiterin Gabriela, die die Backstube leitet. Was Juvenal betrifft, konnte er am  Schluss das ganze Stück in- und auswendig, nicht nur seine eigene Rolle, und half seinen älteren Kameraden, wenn wie nicht weiter wussten.
Die letzten Monate der Vorbereitung begleitete uns in der Rolle der Mutter, Melita del Carpio, von Beruf Schauspielerin und Literaturdozentin an der Universität von Cochabamba. Sie war erst vor einiger Zeit (Juli)  in Cochabamba auf der Bühne zu sehen. Ihr Ehemann Ramiro Áviles spielte die  Rolle des älteren Mannes und er stellte uns für die Theateraufführung auch seinen Wagen zur Verfügung. Unser Musiklehrer Ronald Dominguez war für die musikalische Begleitung verantwortlich.
Das Publikum bestand hauptsächlich aus Schulkameraden der Jungen und Mädchen, Mitgliedern der Pfarrei und Freunden und Familienangehörigen der externen Schauspieler. Wir danken allen Beteiligten herzlich für ihren Einsatz und den würdigen Abschluss des Projekts.

Stefan Gurtner, Oktober 2015