Federico Chipana und sein “Lebensprojekt” PDF Drucken E-Mail

Federico ist ein ehemaliger Solesianer und wohnte als Jugendlicher zwischen 1989 und 1995 in Tres Soles, damals HAPMA. Er engagiert sich für den Umweltschutz und bezeichnet sich selbst als „Volkserzieher“. Im Jahr 2012 gründete er  „Proyecto de vida“ mit dem Ziel, die Lebensqualität der Menschen seiner Heimatstadt El Alto zu verbessern. Eines seiner Hauptanliegen ist die wachsende Umweltverschmutzung. Wenn man einen Bolivianer zu diesem Thema befragt, heisst es meistens sofort: „Das ist ein Problem der Industrieländer, wir haben ganz andere Probleme und Prioritäten.“ Dass die Umweltverschmutzung jedoch auch in Bolivien ein wachsendes Problem ist, das die Bevölkerung allmählich in Mitleidenschaft zieht, zeigt auf erschreckende Weise der nachfolgende Zeitungsartikel. Der Bericht in der bolivianischen Tageszeitung „El Diario“ aus dem Jahr 2018 befasst sich mit den Aktivitäten der Umweltorganisation "Casa de la Solidaridad - Proyecto de Vida" an den Ufern des Titicaca-Sees, die von ihrem Leiter und Gründer Federico Chipana koordiniert und von den jungen Freiwilligen der Partnerorganisationen, mit denen sie zusammenarbeitet, begleitet wird und ist aktueller denn je. (Übersetzung Stefan Gurtner)


https://www.eldiario.net/noticias/2018/2018_08/nt180813/nacional.php?n=36&-acopiaron-30-toneladas-de-basura-en-cohana


BOLIVIEN, 13. August de 2018
Bewohner ertragen jahrzehntelange Vernachlässigung durch die Behörden
Es wurden 30 Tonnen Müll gesammelt
Dutzende von Gemeinden leiden unter der hohen Verschmutzung der Flüsse, die durch die Einleitungen aus den Gemeinden El Alto und Laja, Mikroben aus Krankenhäusern sowie durch die gefährlichen toxischen Einleitungen aus dem Bergwerk Milluni verursacht werden. Lokale Politiker fordern erfolglos Wasseraufbereitungssysteme.

 

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BEWOHNER LEIDEN UNTER HOHER UMWELTVERSCHMUTZUNG IN DER REGION DES TITICACASEES

Die Einwohner der Gemeinde Cohana am Ufer des Titicaca-Sees sammelten mindestens 30 Tonnen Müll an den Ufern des Pallina-Flusses. Eine "Armee" von Freiwilligen, Schülern, Anwohnern und Soldaten machte sich an die Arbeit, um die Auswirkungen der Umweltverschmutzung zu lindern, die das Seegebiet und mehr als 10.000 Familien, die in der Umgebung leben, betreffen.
Die Initiative wurde von der Nichtregierungsorganisation "Proyecto de Vida" (Lebensprojekt) gefördert, die zusammen mit den Einwohnern der Gemeinden Pucarani und Cohana während einer zweitägigen Aufräumaktion etwa die oben genannte Menge an festen Abfällen sammelte.
Die Bucht von Cohana befindet sich 84 Kilometer von La Paz entfernt in der Gemeinde Pucarani in der Provinz Los Andes. Hier münden die Flüsse Seke und Seco von El Alto in den Fluss Pallina, der beim Eintritt in die Bucht zum Fluss Katari wird.
"Es waren zwei anstrengende Arbeitstage. Am kritischsten war es in der Gegend von Wila Jawira. Wir waren überrascht in welchem Ausmaß sich dort Müll angesammelt hatte, es waren geradezu kleine Müll-Inseln. Wir glauben allerdings, dass diese Kampagne ein Erfolg war. Die Resonanz, die wir von sozialen Organisationen, Bürgermeistern, Technikern und den Einwohnern selbst erhielten, war gut", sagte der Leiter der Aktion, Federico Chipana. Er erklärte, dass der Müll in den kommunalen Deponien der Gemeinden Pucarani und Viacha entsorgt wurde.
Im vergangenen Juni traf ein Presseteam von EL DIARIO in Cohana ein, um das Ausmaß der Umweltschäden zu demonstrieren, die durch die Kontamination der beiden „El Alto-Flüsse“ verursacht werden, nämlich dass alle Arten von Abfällen in die Flüsse Katari und Pallina gelangen, die dann in die Bucht münden.
Die Mitglieder des "Proyecto de Vida" trafen sich mit den lokalen Behörden, um die Aktivitäten angesichts des Ausmaßes dieses Problems zu planen, das die Lebensqualität der Bewohner in der Region beeinträchtigt und die Ökosysteme des Titicacasees gefährdet, wie z.B. den Verlust einheimischer Pflanzen-, Fisch- und Vogelarten.

SCHULE
"Diese Art von Kampagne ist wichtig. Auch wir als Schule sind mit dabei, um unsere Kinder auf die Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen, von der die Gemeinde Cohana stark betroffen ist", sagte Maritza Castillo, eine Grundschullehrerin.
Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Handschuhen, Hacken und anderen Materialien begaben sich mehr als hundert Freiwillige in die eisigen Gewässer der Bucht, um Plastikflaschen, Säcke, Schutt, Tierkörper und eine große Menge Müll zu sammeln - Müll, der täglich in El Alto anfällt und über die Flüsse in die Gewässer von Cohana gelangt.
Etwa 10.000 Familien leiden unter der starken Verschmutzung durch die Abwässer von El Alto und der Milluni-Mine, die über den Katari-Fluss in den Titicaca-See fließen. Der Schmutzfleck erstreckt sich über mehr als einen Kilometer.

VERSCHMUTZUNG
Tausende Familien in der Bucht sind einer hohen Verschmutzung durch sowohl feste als auch flüssige Einleitungen aus El Alto sowie durch die Produktionsabfälle der Milluni-Mine ausgesetzt.
"In den 1980er Jahren war das Wasser des Flusses Katari sauber und kristallklar, aber die Verunreinigung durch die Flüsse von El Alto hat das Wasser unserer Flüsse, die die Bucht von Cohana erreichen, verunreinigt", sagte Esteban Mamani, Obmann der Provinz Los Andes.
1984 überschwemmte das Wasser des Titicacasees viele Hektar Land in der Bucht, wie auch Bereiche, die an den Ufern des Oberlaufs des kleineren Sees liegen, wo sich die Verschmutzung besonders konzentriert.
In den letzten 30 Jahren wurde dieses Seebecken von den den Städten El Alto, Viacha und Laja durch deren Abfälle derart belastet, was die Gewässer der Bucht und sieben ländlicher an den Ufern des Sees gelegenen Gemeinden ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen hat.

Das Presseteam wählte für seine Beobachtungen die Stelle aus, wo es die hohe Kontamination des Wassers, das in den kleineren Titicacasee fließt, in Augenschein nehmen konnte. In der Nähe des Standorts erreicht der ekelerregende Geruch des Abwassers die Gemeinden Katarjahuira und Chojasiwi, die die höchste Umweltverschmutzung aufweisen.

GEFÄHRLICHE LEBENSBEDINGUNGEN
Das Wasser des Flusses Katari ist rötlichgrün, was auf das Vorhandensein von Schwermetallen zurückzuführen ist, die sich über mehr als einen Kilometer erstrecken. Tierkadaver, Plastikflaschen aller Art, Schutt, mineralogische Abfälle aus der Milluni-Mine und Tausende von Nylontüten sind darin zu finden.
Auch infektiöse Abfälle aus Krankenhäusern, Tierhäute aus illegalen Schlachthäusern und sogar menschliche Überreste sollen dort reichlich vorhanden sein, wie die Dorfbewohner berichteten.
Die jüngsten Regenfälle haben die Situation noch verschärft, da der Katari-Fluss aufgrund der großen Menge an verseuchtem Material die Gemeinden Wilajahuira, Katarjahuira, Chojasiwi, Cohana Grande, Talachi, Pacollo und Puerto Jajachi an den Ufern der Cohana-Bucht in Mitleidenschaft zieht.
Das nahe am Seeufer wachsende Schilf dient als natürlicher Zaun, um Plastikmüll aufzuhalten, wohingegen der Grund und Boden schwarz gefärbt ist und der Gestank sich bereits in einer Entfernung von hunderten von Metern bemerkbar macht.

PRODUKTION
Die Verschmutzung des Sees zwang die Bewohner von Cohana und sieben weitere Gemeinden, ihre Lebensweise vom Fischfang auf Viehzucht umzustellen, mit wenig Glück, weil das Trinkwasser fehlt. Betroffen waren auch die Fischarten, die in der Nähe des Schilfgürtels beheimatet waren. Gegenwärtig gibt es keine einheimischen Arten mehr, darunter Ispi, Mauri, Karachi und eine weitere, K'ese genannte Art, sie alle sind verschwunden, wie Trifón Condori, Generalsekretär der Pampa Cohana-Gemeinschaft, anprangerte.
Sein Amtskollege aus der Provinz Los Andes, Esteban Mamani, forderte von den Behörden den Bau von Kläranlagen, um die Auswirkungen der hohen Umweltverschmutzung abzumildern. "Als Behörde fordern wir von der Regierung den Bau von Kläranlagen und die Beendigung der Verschmutzung unseres Sees", so seine Worte.

 


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