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Pferdetherapie PDF Drucken E-Mail

Was machst du in der Pferdetherapie?

– Ich reite auf einem Pferd.

Erzähl mir doch ein bisschen von deinen Erfahrungen, die du gemacht hast!
Wenn ich reite, mache ich Übungen. Zum Beispiel muss ich meine Beine anziehen und danach wieder hängen lassen. Ich drehe mich auch mal im Kreis im Sattel, was die Lehrerin eine Runde um die Welt nennt. Außerdem habe ich gelernt meine Zügel richtig zu halten.

Wie lange machst du das schon?

– Eine Einheit dauert eine Stunde und bis jetzt bin ich drei Monate zur Therapie gegangen.

Wie oft gehst du in der Woche dorthin?

– Ich gehe zweimal in der Woche.

Was war bisher das Beste?

– Das Beste war, dass mich die Lehrerin viel gelobt hat.

Wie vereinbarst du das mit der Schule?

– Ich mache erst meine Hausaufgaben und später gehe ich zu den Pferden. Danach lerne ich.

Wie heißt dein Pferd?

– Ich habe erst vor kurzem mein Pferd gewechselt. Erst war es Brisa und das Pferd, das ich jetzt reite, heißt Dino.

Wie ist Brisa so?

– Brisa ist grausilbern und hat eine blonde Mähne. Manchmal ist sie eine Zicke, aber sie ist auch sehr süß.

Was musst du machen, bevor du reitest?

– Als Erstes mache ich das Pferd sauber. Danach muss ich die Decke und den Sattel auflegen und dann das Zaumzeug.

Sind bei der Therapie noch andere Kinder?

– Ja, ich gehe immer in einer Gruppe von fünf bis sechs. Ich reite zusammen mit Kindern aus Tres Soles, aber einige sind auch nicht von dort.

Weißt du, wie sie heißen?

– Sie heißen Rodrigo und Alejandro.

Gefällt es dir bei den Pferden? Was gefällt dir?

– Ja, mir gefällt es sehr gut und das Beste ist zu Traben.

Ist die Therapie in der Nähe von Tres Soles?

– Ja.

Wie lange dauert der Weg?

– Circa 30 Minuten.

Welches Verkehrsmittel nehmt ihr?

– Wir fahren mit einem Trufi der direkten Linie Antofagasta.

Wie fühlst du dich, wenn du reitest?

– Mich erstaunen die Pferde und ich fühle mich frei, wenn ich reite.

Ein Junge, 14 Jahre alt/ Ein Mädchen, elf Jahre alt

 
Installationen PDF Drucken E-Mail

Vor vielen Jahren stellte Carmen, eine kreative Freiwillige, eine lebensgroße Puppe aus Gips her, die nach den Körperteilen verschiedener Kinder aus unserer Wohngemeinschaft geformt war. Die Figur hieß Pingo und wir befestigten sie an einem Holzgeländer über dem Hof. Sie blieb dort längere Zeit, schneeweiß und unbemalt, bis wir das Theaterstück ‚Der Fluch oder das Ende des Inkareichs’ inszenierten. Zu der Ausstaffierung unseres Theaterstücks gehörten prächtige Kostüme, die wir nach historischen Vorlagen alle selbst genäht hatten. „Es wäre schade, diese Kostüme einzumotten“, meinte Braulio, einer unserer ältesten und erfahrensten Schauspieler, nach der letzten Aufführung. „Was könnten wir damit nur anfangen?“
„Warum verkleiden wir damit nicht Pingo als den Inkakönig Atawallpa?“, fragte jemand. Ich war sofort Feuer und Flamme. Nicht nur Pingo wurde als Atawallpa verkleidet, sondern wir bauten eine weitere Puppe, die einen Spanier mit seiner Feuerbüchse darstellte. Unsere erste ‚Installation’ war entstanden.
‚Installationen‘ sind fraglos verwandt mit der Mal- und Bildhauerkunst. Schlägt man den Begriff im Lexikon nach, so versteht man in der bildenden Kunst unter Installationen eine dreidimensionale Kunstform im Innen- und Außenraum, die die Verwendung jeglichen Materials, wie auch von Zeit, Licht, Klang und Bewegung zulässt.
 
Es wurde bei uns zur Tradition, dass nach jedem aufgeführten Theaterstück den Puppen die jeweiligen Kostüme angezogen und mit ihnen Szenen nachgestellt wurden, um das Stück nachwirken zu lassen. Zur Vertiefung des Stücks ‚Mein Cousin ist mein Vater’ haben wir ebenfalls darin vorkommende Figuren als Installation dargestellt. Es geht in dem Stück um Misshandlungen in der Familie, gerichtet gegen Frau und Kind, hervorgerufen durch den in Bolivien immer noch weit verbreiteten Machismo.
Um den Inhalt von ‚Mein Cousin ist mein Vater‘ zu thematisieren, haben wir an unserem hölzernen Geländer, das den Installationen dient, die Figur des Vaters befestigt, der ein kleines Kind auf seinem Schoß hält und ihm die Milchflasche gibt. Neben ihm ist seine Frau mit einer Sichel in der Hand zu sehen. In Höhe der Köpfe  sind Sprechblasen auf Holzschildern wie in Comics  zu sehen, auf denen geschrieben steht, was die Eheleute zueinander sagen. Sie, die Ehefrau, sagt: „Ich lasse das Kind bei dir.“ Der Ehemann antwortet: „Ist in Ordnung, geh nur arbeiten.“
An dieser Stelle muss betont werden, dass in breiten Kreisen der bolivianischen Gesellschaft ein Mann, der sich um Haushalt und Kinder kümmert, als merkwürdig und sogar als schwul – maricón– verspottet wird. In Tres Soles dahingegen werden alle Arbeiten konsequent von Jungen und Mädchen durchgeführt, sei es in der Küche, sei es die Sauberhaltung des Hauses oder die Arbeit in den Werkstätten.
In letzter Zeit entstanden auch Installationen frei nach Ideen der Kinder und Jugendlichen. Die letzte entstand während der Schulferien. Zwei lebensgroße Puppen, die die jüngeren Geschwister von unserem verkleideten Pingo darstellen, beleidigen sich gegenseitig. Pingo, der größere Bruder, ermahnt sie jedoch zu einem geschwisterlichen, respektvollen Umgang miteinander. Das Bild ist zweifellos sehr dazu geeignet, um gemeinsam mit allfälligen Streithähnen, die es in der Wohngemeinschaft immer gibt, über ihr Verhalten zu sprechen und sie zum Nachzudenken anzuregen.

Stefan Gurtner, März 2018

 
Lesereise 2017 PDF Drucken E-Mail

Einen großen Teil der zweiten Jahreshälfte nahm die Planung und Durchführung der dreimonatigen Lesereise in Anspruch, die ich im Herbst teilweise in Begleitung der Leserin und Erzählerin Sabine Jorkowski im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) durchführen konnte. Neu war dieses Mal der Abstecher nach Spanien, wo ich in der Casa de Cultura von Sant Cugat del Valles, in der Nähe von Barcelona, auf Spanisch las und in der deutschsprachigen, evangelischen Gemeinde in Madrid auftrat.
In den  über 50 Lesungen stellten wir das Buch ‚Das Kinder- und Jugendprojekt Tres Soles‘ und die Biografie des deutsch-jüdischen Verlegers Werner Guttentag vor. Dank der Mithilfe vieler Freunde, die auch diesmal wieder vor Ort für kostenlose Unterkunft, Verpflegung und Transport sorgten, konnten das Interesse am Projekt neu geweckt und auch neue Spender gefunden werden. Alle Spenden gingen wie immer direkt auf das Konto von Tres Soles.
Auch diesmal galt es allerdings, einige Abenteuer zu überstehen. Während der Anfahrt auf Hamburg gerieten wir in den Sturm ‚Xavier‘ und mussten buchstäblich Slalom um umgefallene Bäume fahren. In Mannheim kam uns vor einer Schule, wo wir eine Lesung hatten, auf mysteriöse Art und Weise ein Requisitenkoffer abhanden. Nach einigen Nachforschungen stellte es sich heraus, dass eine Sperrmüllfirma ihn mitgenommen hatte. Erst nach zwei Tagen und auf Druck der Schulleitung bekamen wir das gute Stück pünktlich zur nächsten Lesung zurück. Aber es kam noch schlimmer: In einer Schule in Weilburg mussten wir unsere Guttentag-Lesung wegen eines Bombenalarms abbrechen! Ein antisemitischer Hintergrund ist laut Polizei nicht auszuschließen.
Abschließend möchte ich klar unterstreichen,  dass eine solch aufwendige Tournee nur möglich ist, wenn jemand in Europa die Organisation und Koordination  übernimmt. Diese Arbeit ist auch diesmal von Sabine Jorkowski mit Bravour gemeistert worden und zwar auf freiwilliger Basis, ohne einen Cent zu verdienen. Vielen herzlichen Dank an alle, die diesen Gewaltakt möglich gemacht haben!

Stefan Gurtner, Januar 2018

 
3. Treffen der Schweizer und deutschen Partner von Tres Soles PDF Drucken E-Mail

 

Ein Jahrestreffen besonderer Art
Für Samstag, den 21. Oktober, 11.00 Uhr war das alljährlich in Mannheim stattfindende Jahrestreffen der Verantwortlichen von Tres Soles aus der Schweiz und Deutschland geplant.
Ungewöhnlich war, dass der Leiter Stefan Gurtner, der normalerweise tausende von Kilometern entfernt in Bolivien ist, an dem diesjährigen Treffen teilnahm. Der Anlass war seine diesjährige dreimonatige Lesereise, die ihn selbstverständlich auch nach Mannheim in die Pfarrei St. Konrad, jahrzehntelange Stütze des Projekts, führte.
Stefan Gurtner und seine Mitstreiter stellten dankbar fest, dass sich die durch den fallenden Eurokurs kritische Finanzlage etwas entschärft hat und der eingeschlagene Sparkurs nicht weiter nach unten korrigiert werden muss.
Lebhafte Gespräche mit dem für uns so seltenen Gast und ein sehenswerter Kurzfilm über seine langjährige Arbeit rundeten das Treffen ab.

 

 

 
Impressionen Lesereise 2017 PDF Drucken E-Mail

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