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25 Jahre Hilfe für Tres Soles in Mannheim PDF Drucken E-Mail

Am 9. November 2014 feierten die Pfarrgemeinde St. Konrad und der Missio-Eine-Welt-Kreis in Mannheim- Rheinau mit einem bolivianischen Abend das 25-jährige Jubiläum von Tres Soles. Eine kleine Gruppe engagierter und schon oftmals bewährter Frauen bereitete für über 140 Gäste ein bolivianisches Menü mit Suppe, Hauptgang und Nachspeise zu, das von einer weiteren Schar von Helfern gekonnt serviert wurde.
Viele helfende Hände hatten den Pfarrsaal zuvor nicht nur eingedeckt, sondern ihm auch ein bolivianisches Flair verliehen, das durch die  „Artesanías“, die in Tres Soles gefertigt werden, und anzuschauen waren, noch verstärkt wurde.
Den unterhaltsamen Rahmen zu diesem Festakt bestritten die Geschwister Anna und Manuel Rompel, beide aus Bolivien stammend. Manuel und sein Freund Alexander begeisterten das Publikum- nicht zum ersten Mal- mit Gesang und Gitarre ebenso wie Anna mit ihrer Tanzgruppe und den prachtvollen Kostümen. Den Schwerpunkt des Abends bildeten jedoch Vorträge und eine Bildpräsentation, die das außergewöhnliche Engagement der Pfarrgemeinde St. Konrad und des Missio-Eine-Welt-Kreis eindrucksvoll unter Beweis stellten. Ohne ihre Unterstützung würde es heute Tres Soles nicht geben, wie Stefan Gurtner in seinem Dank aus der Ferne verlauten ließ. Jahrein, jahraus haben sehr viele Menschen aus diesem Kreis mit sehr viel Einsatz und Kreativität dem Projekt zu immer wieder neuen Spendeneinnahmen verholfen!
Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats ehrte zum Abschluss der Veranstaltung Magda Keller, die Vorsitzende des Missio-Eine-Welt-Kreis, die in all den Jahren immer die treibende Kraft war und vielen als „Frau Tres Soles“ bekannt ist, mit einem großen Blumenstrauße und bedachte auch ihren Ehemann Karl-Heinz zum Dank mit einer Flasche Wein. Das Publikum spendete sehr zu Recht lang anhaltenden Applaus.
Gäste wie Helfer waren sich über den gelungenen und stimmungsvollen Festakt einig, der Tres Soles neue Spenden einbrachte, nicht zuletzt auch durch den Verkauf von Bildern der Künstlerin Brigitte Müller-Streim, die einen Teil des Verkaufserlös Tres Soles zukommen ließ.

Sabine Jorkowski

 
Treffen der ehemaligen Solesianer PDF Drucken E-Mail

Am 17. und 18. Oktober 2014 fand in Tres Soles das lange erwartete Treffen von ehemaligen Mitgliedern der Wohngemeinschaft statt, zu dem wir alle drei Jahre einladen. Das Treffen wurde am Samstagabend mit einem einfachen Abendessen und einem “Kulturprogramm” eröffnet, wobei Tänze aufgeführt und Lieder gesungen wurden. Weiter ging es nach dem Frühstück am Sonntagmorgen mit einer Gesprächsrunde. Es nahmen 18 heute mehr oder weniger junge Männer und Frauen teil, die einmal in der Wohngemeinschaft gewohnt haben. Unter ihnen waren Lucio, Braulio und Joaquín, die vielen Besuchern der Internetseite bereits bekannt sind (siehe “Erfolgsgeschichten”), aber auch viele andere, die seit ihrem Weggang von Tres Soles viel über ihren gemachten Lebensweg zu berichten hatten. Für die derzeitigen Bewohner der Wohngemeinschaft ist es wichtig zu erfahren, was man erreichen kann, wenn man sich bemüht und welche Fehler man nicht begehen sollte.
Was mich persönlich am meisten berührte, waren jedoch nicht die sogenannten “Erfolgsgeschichten”, sondern die ehemaligen Solesianos mit ihren Lebensgefährten/innen und ihren lachenden und spielenden Kindern zu sehen. Da sind zum Beispiel Benjamin, der heute Lastwagenfahrer ist und zwei Jungen im Alter von zwei und vier Jahren hat, und Edgar, Anstreicher, der zwei eigene Kinder und ein Kind von seiner Frau angenommen hat. Gladys, Friseurin von Beruf, hat drei Kinder und ist vor acht Monaten mit 38 schon Oma geworden. Für uns ist es schließlich nicht so wichtig, ob sie einen Beruf erlernt oder studiert haben und welche Jugendstreiche sie auch immer angestellt haben mögen. “Ich habe meine Chance, die ich in Tres Soles hatte, nicht genutzt”, gibt einer in der Gesprächsrunde freimütig zu und ein anderer schelmisch lachend: “Oh, wie schlecht habe mich damals betragen!”
Wirklich wichtig ist heute, wie sie ihre Verantwortung übernommen haben und dass sie ihren Kindern nicht das antun, was ihnen selbst angetan wurde. Im Laufe der Gesprächsrunde kommt die Rede auf einen ehemaligen Kameraden, der regelmäßig seine Frau und die Kinder misshandelt. “Wie kann man denn nur seine eigenen Kinder misshandeln? Es sind doch diejenigen, die man am meisten liebt?”, fragen sie sich. Leider werden in Bolivien, laut Statistiken, acht von zehn Kindern körperlich misshandelt.
Das Treffen ging am Sonntag mit einem leckeren Mittagessen und einem Sportprogramm am Nachmittag zu Ende. An nächsten Tag stellte Joaquín folgenden Satz, zusammen mit einem Gruppenfoto, bei  Facebook ein: “Wenn mein Leben reibungslos verlaufen wäre, hätte ich diese Familie nicht gefunden… Hier bin ich aufgewachsen, dies ist mein Zuhause, hier habe ich meine Spuren zurückgelassen. Ich erinnere mich, dass ich nicht der perfekte Sohn war, den jeder Vater gern hätte, aber man hat mich trotz meiner Streiche akzeptiert, so wie ich bin. Danke, ich kann wenig zurückgeben im Vergleich zu dem, was ich erhalten habe… Es gäbe so viel zu erzählen, aber ich glaube,  dass die Gesichter auf dem Foto, das ich gemacht habe, weit mehr aussagen.” Joaquín widmet diesen Eintrag seinem lindo Santiaguito, seinem kleinen Sohn.
Stefan Gurtner, Oktober  2014

 
25 Jahre Tres Soles PDF Drucken E-Mail
Die kleinen  guten Taten sind die größten Akte von Menschlichkeit (Man Cesped, bolivianischer Dichter).
Das Leben schöpft man nicht mit großen Gesten und falschen, theatralischen Possen aus. Das Leben lebt man schlicht und einfach, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, so wie das Wasser aus der Quelle fließt, wie die Mutter dem Kind die Brust gibt, wie der Schweiß des Arbeiters perlt (Luis Espinal, katholischer Priester, der von der Militärdiktatur ermordet wurde).

Am 1. Februar 2014 haben wir den 25. Jahrestag der Gründung von Tres Soles gefeiert. Am Morgen desselben Tages fragte ich Beatriz, die Mitglied des Organisationskomitees war und nervös mit einem Blumenstrauß vorbeihastete, wie denn die Vorbereitungen geklappt hätten. “Ach, wenn du wüsstest, eine Katastrophe! Alle sind die reinsten Nervensägen, überhaupt nichts hat geklappt!”, wetterte Beatriz. Mit 18 Jahren war sie die Älteste der Wohngemeinschaft und musste somit am meisten Verantwortung übernehmen.  “Niemand macht, was er verspricht, ich kann es nicht mehr ertragen!”“Du hast erst seit kurzem Verantwortung übernommen, aber jetzt weißt du, was es bedeutet, so etwas seit 25 Jahren zu machen”, sagte ich und klopfte ihr tröstend auf die Schulter. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, um das Gespräch zu vertiefen, denn soeben war der mit uns befreundete Jesuitenpater Enrique Zabala angekommen, um einen kleinen Dankgottesdienst abzuhalten. Alle Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter hatten sich im Halbkreis um einen mit Blumen geschmückten Tisch versammelt. Dahinter war ein schwarzes Tuch aufgehängt, auf dem in großen Buchstaben stand: “25 Jahre Tres Soles.” Der Pater las aus dem Brief des Apostels Paulus, aus dem sogenannten “Hohelied der Liebe”, folgenden Abschnitt:

Die Liebe ist langmütig,
die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich  nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht,
sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles,
glaubt alles,
hält allem stand.

Ich zwinkerte Beatriz fröhlich zu, diese zog einen Schmollmund. Ich schwöre, dass ich den Text nicht mit dem Pater abgesprochen hatte. Nach dem Gottesdienst fanden einige Spiele und ein Fußballturnier statt. Dann gab es ein leckeres Mittagessen im Hof, so wie wir das immer am Jahrestag von Tres Soles tun. Ich wollte meine Frau Guisela rufen, die in der Nähwerkstatt war. Neben der Tür, auf einem Wandbild, sah ich genau dieselbe Bibelstelle geschrieben, die der Pater gelesen hatte. Am Vortag  hatte ich zwar Guisela mit ein paar Jugendlichen dort malen sehen, aber ich hatte nichts erkennen können. “Hast du gewusst, dass der Pater diese Stelle lesen wird?”,  fragte ich sie fassungslos. Guisela schüttelte lächelnd den Kopf.


Stefan Gurtner, Februar 2014

 
Die bunten Mauern von Tres Soles PDF Drucken E-Mail

Im Verlauf der letzten Jahre haben wir um unser Grundstück eine Mauer bauen müssen, nicht etwa weil wir Angst haben, dass uns die Kinder davon laufen, sondern weil die Zone langsam verstädtert, das heisst, dass die Kriminalität und andere städtische Erscheinungen wie Alkoholismus und Jugendbanden stark zugenommen haben. Es ist vorgekommen, dass sich plötzlich ein Betrunkener in unseren Hof verirrt hat, und einmal haben sich sogar vor den Augen der entsetzten Solesianer zwei verfeindete Jugendbanden geprügelt, so dass wir die Polizei rufen mussten.

Die Mauern wurden verputzt und nach und nach in den letzten beiden Jahren während der Ferien bunt bemalt. Die Freiwilligen in 2011 und 2012 haben nicht nur fleißig mitgepinselt, sondern diese Aktion erst durch Spendenaufrufe in ihrer Heimat möglich gemacht. Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, sind dabei richtige kleine Kunstwerke entstanden. Abgesehen davon, dass sie schön aussehen, wirkt das Malen - wie auch andere Kunstrichtungen wie Musik, Theater und Tanz - auf Kinder und Jugendliche beruhigend und therapeutisch. Auch wenn wir in Tres Soles mangels ausgebildeter Therapeuten keine eigentliche Maltherapie anbieten können, gehört das Malen zum festen Bestandteil unseres Erziehungskonzeptes, wie man auch am Beispiel unserer Kartenwerkstatt sehen kann. Wir glauben fest daran, dass eine äussere Ästhetik auch zu einer inneren Ästhetik, also zu einem „besseren" Menschen führen kann. In jedem Fall geht vom Malen eine heilende Wirkung aus. Darüber hinaus wird das Selbstvertrauen, die manuelle Fertigkeit für die Koordination von Auge und Hand und die Unterscheidungsfähigkeit bei Formen und Grössen gefördert.

Stefan Gurtner, Februar 2013
 
Theater PDF Drucken E-Mail

EIN ALTERNATIVER KREUZWEG

Jährlich nehmen wir an Ostern an einem Kreuzweg teil, den wir zusammen mit der hiesigen Kirchengemeinde organisieren. Abwechslungsweise führen wir einen „traditionellen" und einen „alternativen" Kreuzweg auf. Der „alternative" Kreuzweg, der dieses Jahr drankam, trägt den Titel „Die Passion eines bolivianischen Kindes oder der König der Apfeldiebe". Dieser Kreuzweg erzählt in 15 Stationen den Leidensweg eines Jungen, der als Anführer einer Bande von Apfeldieben ins Erziehungsheim geschickt und dort buchstäblich gekreuzigt wird. Begleitet wird der als Straßentheater und Prozession konzipierte Umzug von 15 eigens dafür geschriebenen Liedern und Gebeten, die sich auf das Leiden und auf die Misshandlungen beziehen, die den Kindern auf dieser Welt angetan werden.

Jesus und seine Anhänger, auch die zusammen mit ihm gekreuzigten Räuber, werden als Straßen- und Arbeiterkinder dargestellt. Die Rolle des einen Räubers spielt in diesem Fall ein ausgebeutetes Dienstmädchen, während sich der andere in einen Jungen verwandelt, der in den Minen arbeitet. In den Zinn- und Silberminen Boliviens werden bis heute kleine Kinder eingesetzt, um die herausgebrochenen

Mineralien durch die engsten und niedrigsten Stollen ins Freie zu schleppen. Die Hohepriester, die Pharisäer und das Volk werden als kurzsichtige, engstirnige und intolerante Erwachsene dargestellt. Sie werden durch einen Arzt, eine Hausfrau, einen Anwalt, eine Sekretärin und einen Lehrer repräsentiert. Pilatus ist in unserem Stück ein Jugendrichter und Maria eine arme Straßenkehrerin.

Stefan Gurtner, April 2012

 

THEATERBÄNDCHEN „MEIN COUSIN IST MEIN VATER"

Ein weiterer Höhepunkt unserer erzieherischen Theaterarbeit war die Veröffentlichung eines neuen Theaterbändchens, das von der Theatergruppe geschrieben worden ist: „Mi primo es mi papá" („Mein Cousin ist mein Vater", frei nach einer Erzählung von Gaby Vallejo), das vor zwei Jahren aufgeführt worden ist und von dem ich schon berichtet habe. Die Theatergruppe „Ojo Morado" veröffentlicht von jedem Stück, das sie aufgeführt hat, das Drehbuch, in dem alle Schauspieler und anderen Mitwirkenden, wie zum Beispiel bei der musikalischen Begleitung oder bei der Technik, aufgeführt sind. Die jungen Schauspieler begrüssen es sehr, durch diese Bändchen - bisher sind es acht - die Möglichkeit zu haben, ihre Arbeit der Gesellschaft zeigen zu können. Wir glauben, dass es für das Selbstbewusstsein dieser Jugendlichen sehr wichtig ist, eine Plattform zu haben, mit Hilfe derer sie sich öffentlich ausdrücken können. Ausserdem ist es eine schöne Erinnerung, ein solches Bändchen mit seinem aufgedruckten Namen zu haben. Die Jugendlichen machen Erfahrungen, die sie nie wieder in ihrem Leben vergessen werden, umso mehr als die Aufführungen auch gefilmt und auf DVD gebrannt werden. Diese Theaterbändchen können übrigens auch bei uns bestellt werden. Sie sind natürlich auf Spanisch geschrieben, aber wegen ihrer schlichten Sprache besonders für Spanischschüler geeignet.

Stefan Gurtner, Mai 2012

 

EIN NEUES VIDEO: DER KINDERKREUZUG - ERZIEHERISCHE THEATERERFAHRUNGEN II

Gleich nach Ostern haben wir mit der Verfilmung des Videos „Der Kinderkreuzzug - Erzieherische Theatererfahrungen" begonnen, dessen Drehbuch wir letztes Jahr gemeinschaftlich mit der Theatergruppe „Ojo Morado" geschrieben haben. Darin wird erzählt, wie das Theaterstück „Der Kinderkreuzzug" geschaffen wurde. Es wurde von unserer Theatergruppe „Ojo Morado" 1997 uraufgeführt und während einer Tournee auch in Deutschland und in der Schweiz gezeigt. Im Video wird vom historischen Ursprung des „Kinderkreuzzuges" berichtet, vom gemeinschaftlichen Schreiben am Drehbuch, vom Besuch in der städtischen Müllhalde, wo geeignete Utensilien gesucht wurden, von der Schulung im Teatro de los Andes in Sucre, von der ersten Aufführung, von der Tournee nach Europa, der Reaktion der Presse. Nächstes Jahr wollen wir dieses Video mit deutschen Untertiteln versehen und auf die geplante Lesereise im Herbst 2013 mitnehmen (wir werden rechtzeitig auf unserer Internetseite darüber informieren).

Stefan Gurtner, November 2012

 
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